Der SCA-Score erklärt: Wie Spezialitätenkaffee auf 100 bewertet wird
Hinter der 86 oder 88 auf einer Tüte steht ein Cupping-Tisch: Zehn sensorische Attribute werden einzeln bewertet, addiert, und die Fehler werden abgezogen. Die Schwelle von 80 Punkten, die im Handel die Grenze des Spezialitätenkaffees zieht, stammt aus dem Cupping-Formular, das die Specialty Coffee Association (SCA) 2004 veröffentlicht hat. Sie ist ein Branchenkürzel, nicht die geltende Definition. Die SCA beschreibt Spezialitätenkaffee heute als einen Kaffee oder ein Kaffeeerlebnis, das für seine unterscheidenden Attribute anerkannt ist und wegen dieser Attribute einen erheblichen zusätzlichen Wert am Markt besitzt, und hält fest, dass diese Definition über eine einzelne Note oder einen einzelnen Deskriptor hinausgeht.
- Die Summe auf 100 addiert 10 sensorische Attribute und zieht die Fehler ab.
- Die Schwelle von 80 stammt aus dem Cupping-Formular von 2004: Handelskürzel, nicht geltende SCA-Definition.
- Die SCA geht von den unterscheidenden Attributen eines Kaffees aus und von dem erheblichen zusätzlichen Wert, den sie am Markt schaffen.
- Die Stufen 80 bis 84,99, 85 bis 89,99 und 90+ verschieben vor allem den geforderten Preis und den Vertriebsweg.
- Das Coffee Value Assessment (CVA) von 2023 vereint vier Bewertungen: physisch, deskriptiv, affektiv, extrinsisch. Die Normen SCA-102-2024, SCA-103-2024 und SCA-104-2024 ersetzen Protokoll und Formular von 2004.
- Seit dem 1. Oktober 2025 betreibt die SCA ein erneuertes Q-Grader-Programm auf CVA-Basis; das Coffee Quality Institute (CQI) ist am Betrieb des Q-Programms nicht mehr beteiligt.
Woher stammt die Zahl, die auf der Tüte landet?
Ein Verkoster erarbeitet sie am Cupping-Tisch, nach einem streng festgelegten Ablauf. Gemahlener Kaffee zieht direkt in heißem Wasser, ohne Filter, in mehreren identischen Tassen, meist fünf pro Probe. Der Verkoster riecht zuerst am trockenen Mahlgut, bricht dann die Kruste auf, die sich an der Oberfläche bildet, um die Aromen freizusetzen, schöpft die Partikel ab und verkostet den Kaffee, während er abkühlt. Jede Temperatur offenbart andere Facetten der Tasse, weshalb eine Sitzung mehrere Minuten pro Probe dauert.
Kaffee wird blind bewertet, anhand einer neutral und standardisiert gerösteten Probe, sodass nur das Potenzial des grünen Rohkaffees beurteilt wird und nicht das Können des Rösters. Der Verkoster vergibt für jedes Attribut eine Note, addiert die Zwischensummen und zieht dann die Strafpunkte für Fehler ab. Übrig bleibt eine einzige Zahl, und diese Zahl reist weit über den Verkostungstisch hinaus.
Ihren Wert als Handelsreferenz verdankt sie einer gemeinsamen Lizenz, der des Q Graders. Das Coffee Quality Institute (CQI) hat diese Zertifizierung viele Jahre lang verliehen. Seit dem 1. Oktober 2025 betreibt die SCA ein erneuertes Q-Grader-Programm, das auf dem Coffee Value Assessment aufbaut, und das CQI ist am Betrieb des Q-Programms nicht mehr beteiligt. Laufende oder abgelaufene Arabica- und Robusta-Q-Grader, Q-Instruktoren und Inhaber des Zertifikats SCA Sensory Skills Professional konnten bis zum 31. Dezember 2025 über den SCA-Kurs „CVA for Cuppers“ auf die erneuerte Q-Lizenz wechseln.
Welche Einzelnoten summieren sich zu den 100 Punkten?
Der Verkoster vergibt sieben Einzelnoten zwischen 6 und 10, meist in Viertelpunktschritten. Drei weitere (Gleichmäßigkeit, saubere Tasse, Süße) zählen Tasse für Tasse: Bei fünf Tassen pro Probe ist jede einwandfreie Tasse zwei Punkte wert. Fehler gehen von der Gesamtnote ab. Diese Rechenweise gehört zum Cupping-Formular, das die SCA 2004 veröffentlicht hat und das seither durch die Normen SCA-102-2024, SCA-103-2024 und SCA-104-2024 ersetzt ist.
| Attribut | Art der Bewertung | Was es misst |
|---|---|---|
| Duft / Aroma | Skala 6 bis 10 | Geruch des trockenen und dann nassen Mahlguts |
| Geschmack | Skala 6 bis 10 | Der wichtigste Geschmackscharakter der Tasse |
| Nachgeschmack | Skala 6 bis 10 | Länge und Qualität des Abgangs |
| Säure | Skala 6 bis 10 | Lebendigkeit und Qualität der Säure |
| Körper | Skala 6 bis 10 | Textur und Gewicht im Mund |
| Balance | Skala 6 bis 10 | Harmonie von Geschmack, Säure, Körper und Abgang |
| Gesamteindruck | Skala 6 bis 10 | Das Gesamturteil des Verkosters |
| Gleichmäßigkeit | Tasse für Tasse (2 Pkt / Tasse) | Konstanz von Tasse zu Tasse |
| Saubere Tasse | Tasse für Tasse (2 Pkt / Tasse) | Abwesenheit von Fehlnoten |
| Süße | Tasse für Tasse (2 Pkt / Tasse) | Wahrgenommene Süße, keine Schärfe |
| Fehler | Abzug als Strafe | Taints und Faults, die die Tasse mindern |
Ein Kaffee mit 86 Punkten hat nicht zwangsläufig ein einzelnes glänzendes Attribut: Vor allem verbindet er große Sauberkeit, perfekte Gleichmäßigkeit zwischen den Tassen und vollständige Fehlerfreiheit. Genau diese Konstanz, mehr als aromatische Spitzen, trennt ein sehr gutes Los von einem außergewöhnlichen.
Was entscheidet eine Punktestufe im Einkauf?
Zwei Dinge hängen daran: was das Los kosten darf und wo es überhaupt angeboten wird. Oberhalb der Schwelle von 80 liest sich die Skala aus dem Formular von 2004 als Abfolge von Stufen, und jede Stufe lenkt ein Los zu einem anderen Käufertyp.
- 80 bis 84,99: sehr gut (Very Good). Ein solider, sauberer Spezialitätenkaffee ohne ausgeprägten Fehler. Das ist das Herz des zugänglichen Specialty-Marktes.
- 85 bis 89,99: ausgezeichnet (Excellent). Eine markante, komplexe Tasse mit klarer aromatischer Signatur und hoher Konstanz. Hier beginnen die begehrten Micro-Lots.
- 90 und höher: außergewöhnlich (Outstanding). Die Spitze der Skala: seltene Sorten, außergewöhnliche Terroirs, prämierte Kaffees. Jeder gewonnene Punkt wird immer schwerer zu erreichen.
Was eine Stufe nicht leistet, ist eine offizielle Qualifikation. Einen Score über 80 auszuweisen bleibt ein bequemes Verkaufsargument, doch es ist nicht das, was einen Kaffee im Sinne der SCA zum Spezialitätenkaffee macht: Dort zählen unterscheidende Attribute und der erhebliche zusätzliche Wert, den sie am Markt schaffen.
Welche Normen gelten seit 2024 anstelle des alten Formulars?
Seit 2024 tragen drei Einzelnormen, was früher ein einziges Formular trug. SCA-102-2024, SCA-103-2024 und SCA-104-2024 ersetzen das Cupping-Protokoll und das Cupping-Formular von 2004. Sie gehören zum Coffee Value Assessment (CVA), das die SCA 2023 eingeführt hat.
Das CVA vereint vier ergänzende Bewertungen, und die sensorische Note ist darin nur ein Teil. Die physische Bewertung betrachtet Farbe, Fehler, Feuchtigkeit und Bohnengröße und stützt sich auf das Klassifizierungssystem für Rohkaffee von 2004. Die deskriptive Bewertung fällt unter die Norm SCA-103. Die affektive Bewertung fällt unter die Norm SCA-104. Die extrinsische Bewertung, abgedeckt durch die Norm SCA-105, betrifft Zertifizierungen, die Rückverfolgbarkeit der Herkunft und Angaben zur Aufbereitung. Probenvorbereitung und Verkostungsmechanik gehören nicht zu diesen vier Teilen: Sie stehen in der Norm SCA-102.
Die SCA veröffentlicht einen Rechner für den affektiven Score, der für die Verwendung mit dem Formular SCA-104 gedacht ist. Er addiert die Endnoten der einzelnen Abschnitte und zieht ungleichmäßige oder fehlerhafte Tassen ab. Die CVA-Formulare erscheinen in sieben Sprachen, darunter Französisch.
Die Zahl überlebt also die Norm, die sie hervorgebracht hat. Sie werden noch lange Lose mit einem „SCA-Score“ und der Schwelle von 80 antreffen: Die Branche nutzt beides als Gesprächskürzel und als Preismarke, während sich der offizielle Rahmen darunter in seiner Architektur verändert hat.
Häufige Fragen zum SCA-Score
Ab welchem Score gilt ein Kaffee als Specialty?
Die Schwelle von 80 Punkten stammt aus dem Cupping-Formular, das die SCA 2004 veröffentlicht hat. Sie dient weiterhin als Handelskürzel, ist aber nicht die geltende Definition. Die SCA beschreibt Spezialitätenkaffee heute als einen Kaffee oder ein Kaffeeerlebnis, das für seine unterscheidenden Attribute anerkannt ist und wegen dieser Attribute einen erheblichen zusätzlichen Wert am Markt besitzt, und hält fest, dass diese Definition über eine einzelne Note oder einen einzelnen Deskriptor hinausgeht.
Wer vergibt den SCA-Score eines Kaffees?
Im Cupping geschulte Verkoster vergeben den Score, meist Q Grader. Das Coffee Quality Institute (CQI) hat diese Zertifizierung viele Jahre lang verliehen. Seit dem 1. Oktober 2025 betreibt die SCA ein erneuertes Q-Grader-Programm, das auf dem Coffee Value Assessment aufbaut, und das CQI ist am Betrieb des Q-Programms nicht mehr beteiligt.
Was bedeutet ein Kaffee mit 85 oder 90 Punkten?
Auf der Skala aus dem Formular von 2004 ist ein Kaffee von 80 bis 84,99 sehr gut, von 85 bis 89,99 ausgezeichnet und ab 90 außergewöhnlich. Was diese Stufen vor allem verschieben, sind der geforderte Preis und der Vertriebsweg. Über 90 betritt man das Gebiet seltener Micro-Lots und prämierter Kaffees, in dem jeder Punkt schwerer zu erreichen wird.
Verschwindet der SCA-Score mit dem CVA-Rahmenwerk?
Das Formular von 2004 ist bereits ersetzt. Die Normen SCA-102-2024, SCA-103-2024 und SCA-104-2024 treten an die Stelle des Cupping-Protokolls und des Formulars von 2004, im Rahmen des Coffee Value Assessment, das die SCA 2023 eingeführt hat. Das CVA vereint vier ergänzende Bewertungen: physisch, deskriptiv (SCA-103), affektiv (SCA-104) und extrinsisch (SCA-105). Im Handel kursiert die Zahl dennoch weiter als Gesprächskürzel.
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