☕ 3 Kernpunkte

  1. Nguyễn Văn Giảng erfand cà phê trứng 1946 als Barmann im Sofitel Metropole in Hanoi (Vietnam). Er schlug Eigelb mit gezuckerter Kondensmilch auf, weil frische Milch in der Kriegszeit knapp und teuer war.
  2. Die Kaffeebasis entsteht im Phin, einem kleinen Edelstahlfilter, der einen vietnamesischen Robusta über 3 bis 5 Minuten langsam in die Tasse tropfen lässt.
  3. Das Getränk lebt vom Kontrast zwischen süßer Cremeschicht und bitterem Kaffee, ähnlich wie der Wiener Einspänner. Anstelle von Schlagsahne liegt hier jedoch ein Eigelbschaum auf dem Kaffee.

Vietnamesischer Eikaffee (Cà Phê Trứng): Geschichte, Rezept und Zubereitung

Von expertcafe.be · Veröffentlicht 24. Mai 2026 · Brühmethoden · Lesezeit: 9 Min.
Vietnamesischer Eikaffee: dicker cremiger Eigelbschaum auf einem intensiven dunklen Robusta-Kaffee
Der Eigelbschaum des cà phê trứng, dicht und süß, ruht auf einem konzentrierten vietnamesischen Robusta aus dem Phin-Filter.

Cà phê trứng (wörtlich: Eikaffee) ist ein vietnamesisches Heißgetränk, das 1946 im Sofitel Metropole in Hanoi (Vietnam) entstanden ist. Seine Struktur ist einfach: ein stark konzentrierter Robusta-Kaffee, gebrüht durch einen Phin-Filter, wird mit einer dicken Schicht aufgeschlagenem Eigelb und gezuckerter Kondensmilch bedeckt. Das Ergebnis bewegt sich zwischen Kaffee und Dessert. Ähnlich wie beim Wiener Einspänner, wo geschlagene Sahne auf Espresso trifft, lebt das Getränk von der Spannung zwischen Süße und Bitterkeit, die sich beim Trinken schichtweise entfaltet.

Wer hat den Eikaffee 1946 erfunden?

Im Jahr 1946 war der Nachschub an frischer Milch in Hanoi (Vietnam) durch die Unruhen des Ersten Indochinesischen Krieges stark beeinträchtigt. Nguyễn Văn Giảng, Barmann im Sofitel Metropole (Hanoi, Vietnam), stand vor dem Problem, das Café au lait-Angebot des Hotels aufrechtzuerhalten. Seine Lösung: Eigelb mit gezuckerter Kondensmilch (sữa đặc) aufschlagen, bis eine stabile, dicke Emulsion entsteht, und diese als Topping auf den Kaffee geben.

Noch im selben Jahr eröffnete Nguyễn Văn Giảng sein eigenes Lokal, das Café Giảng, zunächst in der Straße Cầu Gỗ. Das Geschäft ist seither umgezogen, das Rezept hat sich nach Darstellung der Familie kaum verändert. Heute führen seine Söhne den Namen weiter. Die Adresse, die auswärtige Gäste meist ansteuern, Nguyễn Hữu Huân 39 in einer Gasse im Bezirk Hoàn Kiếm, wurde 2007 eröffnet; die vietnamesische Presse schreibt sie mal dem jüngsten Sohn Nguyễn Trí Hòa zu, mal Nguyễn Văn Đạo.

Welche Zutaten und welchen Filter brauchen Sie?

Cà phê trứng beruht auf vier Grundzutaten. Erstens das Eigelb: aufgeschlagen bis zur Bandstufe (ruban), bildet es eine stabile, luftige Emulsion. Zweitens die gezuckerte Kondensmilch (typisch: Marke Longevity Brand / Ông Thọ oder Eagle Brand, deren zugesetzter Zucker rund 45 % des Gewichts ausmacht): der Zucker stabilisiert die Emulsion und gibt ihr die charakteristische Süße. Drittens der Phin-Filter, ein kleiner zylindrischer Edelstahlfilter, der auf der Tasse balanciert und den Kaffee über 3 bis 5 Minuten langsam tropfen lässt. Viertens der Kaffee selbst: ein dunkler vietnamesischer Robusta, intensiv, leicht erdig, mit langanhaltender Bitterkeit.

Der Phin ist kein bloßes Zubereitungswerkzeug, sondern bestimmt das Geschmacksprofil der Kaffeebasis entscheidend mit. Die langsame Extraktion bei niedrigem Druck produziert einen konzentrierten, leicht sirupartigen Kaffee, der weniger flüchtige Säuren enthält als ein Espresso. Diese Konzentration ist notwendig: ohne eine ausreichend intensive Kaffeebasis würde der süße Eigelbschaum das Getränk vollständig dominieren.

Wie schlägt man den Schaum auf und schichtet die Tasse?

Der Ablauf hat vier Schritte: Phin-Kaffee brühen, Eigelb mit Kondensmilch bis zur Bandstufe aufschlagen, den Schaum auf den heißen Kaffee setzen und die Tasse in heißes Wasser stellen. Die folgenden Mengenangaben ergeben eine Portion.

Zutaten: 2 Eigelb, 2 Esslöffel (ca. 30 g) gezuckerte Kondensmilch (Marke Ông Thọ oder Eagle Brand), 8 bis 10 g dunkel gerösteter vietnamesischer Robusta, 30 ml heißes Wasser für den Phin.

  1. Phin-Kaffee zubereiten. Phin-Filter auf eine hitzebeständige Tasse setzen. 8 bis 10 g gemahlenen Robusta (mittelfeine Mahlung) einfüllen. Pressscheibe leicht aufsetzen, ohne zu stark zu tampen. Ca. 5 ml Wasser bei 92 bis 95 °C für den Bloom angießen, 30 Sekunden warten. Verbleibende Wassermenge bis 30 ml auffüllen und 3 bis 5 Minuten tropfen lassen.
  2. Eigelbschaum aufschlagen. 2 Eigelb mit 2 Esslöffeln gezuckerter Kondensmilch in einer tiefen Schüssel mischen. Mit einem Handmixer bei mittlerer Geschwindigkeit ca. 5 Minuten aufschlagen, bis der Schaum hellgelb, dick und bandartig ist. Der Schaum sollte beim Anheben des Rührers in einem stabilen Band zurückfallen.
  3. Zusammensetzen. Die 30 ml heißen Kaffees in die Tasse gießen. Eigelbschaum mit einem Löffel vorsichtig als gleichmäßige Schicht auf die Kaffeeoberfläche geben.
  4. Warmhalten. Tasse traditionell in eine Schüssel mit heißem Wasser stellen, um die Temperatur während des Trinkens zu erhalten.
  5. Servieren. Ohne Umrühren trinken, sodass beide Schichten im Mund aufeinandertreffen, oder mit einem Teelöffel vorsichtig unterheben für ein gleichmäßiges Ergebnis.

Wie schmeckt vietnamesischer Eikaffee?

Das Geschmacksprofil des cà phê trứng baut auf bewusstem Kontrast auf. Die obere Schicht, der Eigelbschaum, schmeckt süß, sahnig und leicht dotterig, vergleichbar mit einer Zabaione oder einer leichten Vanillecreme. Der Zuckergehalt der Kondensmilch ist deutlich spürbar, wird aber durch die Fettigkeit des Eigelbs abgemildert. Die Kaffeebasis darunter ist kompromisslos: dunkle Röstung, Bitterkeit, Röstaromen, mit dem erdig-holzigen Charakter, der für dunkel gerösteten vietnamesischen Robusta typisch ist.

Der Vergleich mit dem Wiener Einspänner ist erhellend. Beide Getränke folgen dem Prinzip einer cremigen Schicht über bitterem Kaffee. Der Unterschied liegt in der Zusammensetzung: Schlagsahne beim Einspänner ist neutral und fettreich, während der Eigelbschaum beim cà phê trứng eine eigene Aromakomponente beisteuert, nämlich die leichte Schwefeligkeit des Dotters und die Karamellnote der Kondensmilch. Das macht das Getränk komplexer und charakteristischer.

Warum bildet Robusta die Basis dieses Getränks?

Die Wahl des Robusta folgt schlicht dem, was Vietnam anbaut. Das Land ist nach Brasilien der zweitgrößte Kaffeeproduzent weltweit und der größte Robusta-Lieferant überhaupt. Der im Mai 2026 veröffentlichte Bericht Coffee Annual des USDA Foreign Agricultural Service zu Vietnam prognostiziert für die Ernte 2026/27 rund 32,5 Millionen Sack zu 60 kg, davon 31,4 Millionen Sack Robusta gegenüber nur 1,1 Millionen Arabica. Die wichtigsten Anbaugebiete liegen auf dem Zentralen Hochland, vor allem um Buôn Ma Thuột in der Provinz Dak Lak. Eine Tasse Eikaffee in Hanoi steht damit fast zwangsläufig auf Robusta.

Die meistangebaute Sorte ist Catimor, ein Hybrid mit Blattkrankheitsresistenz und hohem Ertrag. Die Culi-Sorte (eine Peaberry-Mutation, bei der die Kirsche nur eine runde Bohne statt zwei entwickelt) gilt als aromatisch konzentrierter. In der Provinz Lam Dong, in der Nähe von Da Lat, wird eine seltene arabica-ähnliche Moka-Sorte auf größerer Höhe angebaut. Diese Moka taucht in modernen Interpretationen des Eikaffees gelegentlich als Basis auf.

Wie sehen die modernen Abwandlungen aus?

Version Abwandlung Geschmacksergebnis
Traditionell (Hanoi) Eigelb, gezuckerte Kondensmilch, dunkler Robusta, Phin Süßer Dotterschaum, intensiv bittere Basis
Iced egg coffee Gleicher Schaum, Kaffeebasis über Eis Frischer, Schaum leicht weniger stabil
Vegan Gesüßte Kokosmilch statt Kuh-Kondensmilch Kokosnussnote, leichterer Körper
Gesalzen Prise Salz im Schaum Süß-salzig, Eigelbaroma verstärkt
Specialty-Basis Arabica Single Origin (z.B. Da Lat Moka) statt Robusta Blumiger, säurebetonter, weniger Bitterkontrast

Die vegane Variante ersetzt klassische Kondensmilch durch gesüßte Kokoskondensmilch, was eine tropische Note einbringt. Die gesalzene Variante nutzt das kulinarische Prinzip der Geschmacksverstärkung: eine geringe Salzmenge reduziert die reine Süßwahrnehmung und verstärkt andere Aromaverbindungen, insbesondere die Schwefelkomponenten des Eigelbs. Specialty-Kaffeebars in Hanoi experimentieren mit Arabica-Basen, was die Bitterkeit reduziert und den Kontrast abschwächt.

Gelingt der Eigelbschaum auch in der eigenen Küche?

Cà phê trứng lässt sich mit minimalem Equipment reproduzieren. Ein Phin-Filter aus Edelstahl ist in Asienläden oder online für unter 10 Euro erhältlich. Gesüßte Kondensmilch der Marken Ông Thọ oder Eagle Brand findet sich in den meisten asiatischen Supermärkten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Dunkel gerösteter vietnamesischer Robusta ist über Spezialitätenimporteure und Online-Händler beziehbar.

Der entscheidende Punkt ist das Aufschlagen des Schaums. Das Eigelb muss die sogenannte Bandstufe erreichen: beim Anheben des Rührers fällt die Masse in einem dicken, zusammenhängenden Band zurück und hält mehrere Sekunden. Unzureichend aufgeschlagener Schaum zerfällt sofort im Kaffee; zu stark aufgeschlagener Schaum wird körnig. Fünf Minuten bei mittlerer Geschwindigkeit mit einem Handmixer gilt als zuverlässiger Ausgangswert.

Bleibt die Frage des rohen Dotters. Viele Cafés in Hanoi schlagen die Eiercreme über dem Wasserbad auf, bei Wasser knapp unterhalb des Siedepunkts: Die Emulsion wird fester, ohne zu stocken. Das ist auch zu Hause der sinnvollere Weg. Der von EFSA und ECDC 2025 veröffentlichte One-Health-Zoonosenbericht für 2024 weist Salmonellen in Verbindung mit Eiern und Eiprodukten als Ursache der meisten lebensmittelbedingten Ausbrüche in der Europäischen Union aus. Verwenden Sie deshalb sehr frische, gekühlte Eier oder pasteurisiertes Eigelb und servieren Sie die Tasse sofort. Schwangere, Kleinkinder, ältere und immungeschwächte Menschen verzichten besser ganz auf Zubereitungen mit rohem Ei.

Häufig gestellte Fragen

Wer hat den vietnamesischen Eikaffee (cà phê trứng) erfunden?

Cà phê trứng wurde 1946 von Nguyễn Văn Giảng erfunden, Barmann im Sofitel Metropole in Hanoi (Vietnam). Frische Milch war im Hanoi des Ersten Indochinesischen Krieges knapp und teuer, deshalb ersetzte er sie durch einen aus Eigelb und gezuckerter Kondensmilch aufgeschlagenen Schaum. Im selben Jahr eröffnete er sein eigenes Lokal, das Café Giảng, in der Straße Cầu Gỗ. Heute führen seine Söhne den Namen weiter, darunter Nguyễn Trí Hòa und Nguyễn Văn Đạo; die Adresse Nguyễn Hữu Huân 39 im Bezirk Hoàn Kiếm wurde 2007 eröffnet.

Was ist ein Phin-Filter und wie funktioniert er?

Der Phin ist ein kleiner zylindrischer Edelstahlfilter, der direkt auf einer Tasse balanciert. Heißes Wasser wird über gemahlenen Robusta-Kaffee gegossen und tropft über 3 bis 5 Minuten durch den Filter. Das Ergebnis ist ein konzentrierter, starker Kaffee mit leicht sirupartiger Textur, der stark genug ist, um die Süße des Eigelbschaums auszugleichen.

Wie unterscheidet sich cà phê trứng vom österreichischen Einspänner?

Der österreichische Einspänner kombiniert Espresso mit steif geschlagener Schlagsahne. Cà phê trứng verwendet dagegen Eigelb und gezuckerte Kondensmilch, was eine strukturell festere, süßere Schaumschicht mit einer deutlichen Eidotternote ergibt. Die Kaffeebasis ist beim vietnamesischen Getränk ein langsam gefilterter Robusta aus dem Phin statt einem Espresso unter Druck. Beide Getränke folgen dem Kontrast-Prinzip: süße Cremeschicht über bitterem Kaffee.

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